Lissabon-SantaLuzia02Der Name kommt ursprünglich - ebenso wie die Technik - aus dem Arabischen (al zulaij, az-zuleycha, arab., kleiner, polierter Stein, Mosaikstein). Während der Herrschaft der Mauren im Süden Portugals und Spanien im 12. und 13. Jahrhundert, brachten diese die Herstellungstechnik aus ihrer Heimat mit. Sie wurde dann von den dortigen Handwerkern übernommen, um Häuserwände zu schmücken, hauptsächlich an Palästen, Ämtern und Kirchen, wo sie oftmals komplette Fassaden, Innenhöfe oder Wände einnehmen. Auch im arabischen Raum findet man die Fliesen sehr häufig, dort allerdings eher mit Ornamenten, da figürliche Darstellungen im Islam verpönt sind. In Portugal wechselte man dagegen sehr schnell zu figürlichen Darstellungen und stellte historische oder christliche Szenen, aber auch solche aus dem Alltag dar.

Der Nutzen der Fliesen ist nicht nur dekorativer Art. Gleichzeitig schützen Azulejos die Wände auch vor Umwelteinflüssen wie Feuchtigkeit, Hitze und Lärm. Sie halten die Wände sauber (Schmutz läßt sich einfach abwischen, selbst heutige Graffiti) und auch insgesamt halten azulejobesetzte Wände länger als solche ohne. Noch heute kann man in Portugal Azulejos aus dem Mittelalter entdecken, obwohl durch das große Erdbeben von 1755 und durch menschliche Einflüsse viele dieser Kunstwerke zerstört wurden.

Nach dem Erdbeben legte der damals für den Wiederaufbau verantwortliche Premierminister Sebastião JoséQueluz - Palacio Nacional
de Carvalho e Mello, Conde de Oeiras - besser bekannt als Marquês de Pombal - großen Wert auf die reichliche Verwendung von Fliesen beim Bau der neuen Häuser. Sie sind einfach zu reinigen und er wollte damit die nach Naturkatastrophen recht häufig auftretenden Epidemien wie Pest und Cholera eindämmen. Dadurch stieg jedoch auch der Bedarf an Azulejos dramatisch an und so gründete der portugiesische König Dom José I. im Jahr 1767 in Lissabon die "Real Fábrica do Rato", eine königliche Manufaktur für Azulejos, wo diese mit Hilfe von Schablonen in großer Stückzahl gefertigt werden konnten, der Beginn der industriellen Produktion von Azulejos. Später gebann sogar, die Fliesen in industriellen Herstellungsverfahren zu bedrucken und leider sind es genau diese in Massen bedruckten Fliesen, die man heute häufig in den Souvenirläden Portugals als traditionelle Produkte angeboten bekommt. Die echten handbemalten Azulejos findet man heute dagegen eher selten oder aber in Antiquitätengeschäften. Im Azul Celeste Onlineshop finden Sie ausschließlich handbemalte Produkte.

Es gibt heute nur noch sehr wenige Künstler, die die Azulejoherstellung und - restaurierung beherrschen. Sie nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Zuerst wird eine Skizze des Kunstwerks in Originalgröße auf transparentem Papier erstellt. Die besondere Herausforderung hierbei ist es, den zur Verfügung stehenden Platz optimal auszunutzen, also das Werk nicht zu nahe an den Rand zu quetschen und auch nicht zu viel Platz leer zu lassen. Anschließend werden die Fliesen so aneinandergereiht, wie sie später installiert werden sollen. Dann wird die Skizze auf die Fliesen übertragen. Um die Farben beständig zu machen, werden sie sodann gebrannt und schließlich an der Wand zu einem oft mehrere Quadratmeter großen Kunstwerk zusammengesetzt. Bei dieser Arbeit kann viel passieren, jederzeit können Fliesen springen und müssen dann ersetzt werden, was vom Künstler große Erfahrung erfordert, um Übergänge von einer Fliese zur anderen sowie die Farben exakt zu treffen. Ähnliches gilt auch für die Restaurierung alter Azulejos. Während traditionelle Azulejos blau sind, können heute annähernd alle Farben verwendet werden.

Keramik und darin eingebrannte Farben sind extrem haltbar und wetterfest. Sie behalten die Farben über Jahrzehnte und oftmals sogar über Jahrhunderte. Keramik wird nicht nur in der Kunst eingesetzt, sondern eben wegen dieser exremen Haltbarkeit immer häufiger in Hightechprodukten wie Autos, Computer, etc. Im Alltag vermittelt uns die handbemalte Keramik in unserem Zuhause ein warmes Gefühl der Geborgenheit.